Sie haben einen Auftrag von einer Behörde abgeschlossen und sollen nun Ihre erste Rechnung elektronisch übermitteln – als XRechnung. Viele Unternehmen scheitern nicht an der Leistung selbst, sondern an Pflichtfeldern, der Leitweg-ID oder einem Validierungsfehler in der XML-Datei. Diese Anleitung führt Sie Schritt für Schritt durch den Prozess: von der Vorbereitung bis zum erfolgreichen Versand.
Grundlagen zum Format finden Sie in unserem Artikel Was ist eine XRechnung? und auf der Übersichtsseite XRechnung. Für den breiteren Kontext der elektronischen Rechnungsstellung empfehlen wir auch den Ratgeber Rechnung schreiben und die Seite E-Rechnung.
Voraussetzungen: Was Sie vor dem Start klären müssen
Bevor Sie eine XRechnung erstellen, sollten folgende Punkte geklärt sein:
Vom Auftraggeber erhalten
In Ihrem Unternehmen vorhanden
- Vollständige Firmendaten (Name, Adresse, USt-IdNr. oder Steuernummer)
- Bankverbindung für die Zahlungsinformationen
- Fortlaufende Rechnungsnummer nach Ihrem Nummernkreis
- Leistungsbeschreibung, Mengen, Preise, Steuersätze
Ohne Leitweg-ID sollten Sie keine XRechnung an einen öffentlichen Auftraggeber senden. Fordern Sie die ID schriftlich an – sie steht oft in Vergabeunterlagen, im Vertrag oder auf den Webseiten der Behörde.
Schritt 1: Rechnungsdaten wie gewohnt erfassen
Die inhaltliche Arbeit unterscheidet sich kaum von einer klassischen Rechnung. Erfassen Sie:
- Rechnungskopf – Nummer, Datum, Leistungszeitraum, ggf. Verweis auf Auftrag
- Empfänger – Behörde mit vollständiger Anschrift
- Positionen – einzeln mit Nettobetrag, Steuersatz und Steuerbetrag
- Summen – Zwischensummen, Umsatzsteuer, Bruttobetrag
- Zahlungsbedingungen – Fälligkeit, Skonto, IBAN
Achten Sie auf arithmetische Konsistenz: Die Summe der Positionen muss mit Netto und Brutto übereinstimmen. Rundungsdifferenzen sind ein häufiger Validierungsfehler.
Praxis-Tipp: Nutzen Sie dieselben Daten wie in Ihrer Buchhaltung. Wenn ERP und XRechnung-Tool unterschiedliche Beträge ausweisen, haben Sie später Probleme bei Prüfungen und Zahlungsabgleich.
Schritt 2: Leitweg-ID korrekt eintragen
Die Leitweg-ID ist das wichtigste empfängerspezifische Feld bei XRechnungen an den öffentlichen Sektor. Sie besteht aus mehreren Teilen (z. B. Bundesland, Behörde, Abteilung) und wird vom Auftraggeber vergeben.
So prüfen Sie die Leitweg-ID
- Vergleichen Sie Zeichen für Zeichen mit der offiziellen Angabe
- Keine Leerzeichen oder Sonderzeichen hinzufügen
- Bei mehreren möglichen IDs: die für Ihren Vertrag / Ihre Bestellung gültige verwenden
Mehr Hintergrund dazu in unserem Artikel Leitweg-ID erklärt.
Schritt 3: XRechnung in der Software erzeugen
Manuelles Schreiben von XML ist für den Alltag unpraktikabel. Verwenden Sie eine Rechnungssoftware oder ein spezialisiertes Modul, das XRechnung exportiert.
Typischer Ablauf in der Software
- Rechnung anlegen (Kunde = Behörde mit Leitweg-ID)
- Format XRechnung oder CII-XML wählen
- Export oder direkte Übergabe an Portal vorbereiten
- Validierung im Tool ausführen
Quotavo und vergleichbare Lösungen führen Sie durch die Pflichtfelder und erzeugen eine dateikonforme XML-Struktur. So vermeiden Sie typische Schema-Fehler.
Alternative: Konvertierung aus ZUGFeRD
Manche Systeme erzeugen zuerst ZUGFeRD und leiten daraus eine reine XML-Rechnung ab. Für Behörden ist jedoch oft explizit XRechnung gefordert – prüfen Sie die Vorgaben des Auftraggebers.
Schritt 4: Validierung durchführen
Vor dem Versand muss die Datei gegen die XRechnung-Prüfregeln validiert werden. Validatoren prüfen unter anderem:
Was tun bei Validierungsfehlern?
- Fehlermeldung genau lesen (Feldname und Regel)
- Daten in der Quellrechnung korrigieren
- XML erneut erzeugen und validieren
- Erst nach „grün“ senden
Einige Portale lehnen bereits bei kleinen Abweichungen ab – Nacharbeit kostet Zeit und verzögert die Zahlung.
Schritt 5: Übermittlung an den öffentlichen Auftraggeber
Die XRechnung wird in der Regel über eine zentrale Eingangsplattform übergeben, nicht per privater E-Mail.
Gängige Übermittlungswege
Registrieren Sie sich rechtzeitig im vorgesehenen Portal. Testen Sie ggf. mit einer Testumgebung, falls angeboten.
Ablauf bei der Übermittlung
- Im Portal anmelden (Unternehmenskonto)
- XRechnung-Datei hochladen oder aus Software übergeben
- Bestätigung und Vorgangsnummer speichern
- Status der Rechnung im Portal verfolgen
Bewahren Sie Nachweise über Upload-Zeitpunkt und Bestätigung auf – analog zu einem Einschreiben bei Papierrechnungen.
Schritt 6: Archivierung und interne Dokumentation
Nach dem Versand ist die Arbeit nicht beendet:
- Original-XML unverändert archivieren (GoBD beachten)
- Kopie der menschenlesbaren Rechnung (PDF aus Ihrem System) ablegen
- Leitweg-ID, Portal-Bestätigung und Zahlungseingang zuordnen
- Bei Ablehnung: Fehlerprotokoll und korrigierte Neufassung dokumentieren
Elektronische Rechnungen unterliegen denselben Aufbewahrungspflichten wie Papier – Details sollten Sie mit Ihrer Steuerberatung klären. Allgemeine Hinweise finden Sie in der FAQ.
Besonderheiten nach Branche und Auftragstyp
Handwerk und Bau
Oft lange Leistungszeiträume, Abschlags- und Schlussrechnungen. Jede Teilrechnung braucht eine eigene XRechnung mit korrekter Bezugnahme auf Auftrag und ggf. vorherige Abschläge.
IT und Beratung
Zeiterfassung in Stunden, ggf. Reisekosten als separate Positionen. Einheitliche Beschreibungen erleichtern die Prüfung durch die Behörde.
Lieferung von Waren
Achten Sie auf Lieferdatum, Mengeneinheiten und ggf. Bestellreferenzen aus der Vergabe.
XRechnung und die E-Rechnungspflicht im B2B
Die Pflicht, XRechnungen an Behörden zu senden, ist für viele Unternehmen bereits Realität. Zusätzlich rückt die E-Rechnung im B2B-Geschäft in den Fokus – mit eigenen Fristen und Ausnahmen. Ob Ihr Betrieb ab 2026 oder später verpflichtet ist, hängt von Größe, Umsatz und Rolle (Aussteller oder Empfänger) ab. Lassen Sie Ihre Situation rechtlich prüfen; unser Überblick E-Rechnung Pflicht 2026 bietet eine erste Orientierung.
Für B2B-Kunden reicht oft ZUGFeRD oder ein anderes EN-16931-Format – für Behörden bleibt XRechnung der Standard.
Checkliste: XRechnung erstellen und versenden
Nutzen Sie diese Liste für jede Behördenrechnung:
Software-Auswahl: Worauf Sie achten sollten
Bei der Wahl einer Lösung für Rechnung schreiben und XRechnung sollten Sie prüfen:
- XRechnung-Export mit aktueller Spezifikation
- Integrierte Validierung vor dem Export
- Leitweg-ID als festes Empfängerfeld
- Schnittstellen zu Portalen oder Peppol (falls benötigt)
- Einfache Bedienung für Mitarbeitende ohne XML-Kenntnisse
Quotavo verbindet klassische Angebots- und Rechnungsprozesse mit moderner Rechnungssoftware-Funktionalität – damit Sie nicht zwei getrennte Welten pflegen müssen.
Häufige Fragen beim Erstellen
Kann ich eine XRechnung nachträglich korrigieren?
Bei Fehlern ist in der Regel eine Stornorechnung und eine neue korrekte Rechnung nötig – nicht einfach die alte XML-Datei erneut senden. Vorgehen mit der Behörde und Ihrer Buchhaltung abstimmen.
Reicht PDF zusätzlich zur XRechnung?
Die XRechnung ist die maßgebliche Fassung für die automatische Verarbeitung. Ein PDF kann intern hilfreich sein, ersetzt aber nicht die XML-Pflicht gegenüber dem öffentlichen Auftraggeber.
Muss jede Position dieselbe Steuer haben?
Nein, gemischte Steuersätze sind möglich – dann müssen Summen pro Steuersatz korrekt ausgewiesen sein.
Weitere Antworten: FAQ und XRechnung.
Fazit
Eine XRechnung zu erstellen ist kein Hexenwerk, wenn Sie Daten, Leitweg-ID und Tool stimmen. Arbeiten Sie in klaren Schritten: erfassen, XML erzeugen, validieren, übermitteln, archivieren. Mit passender Software vermeiden Sie die meisten technischen Stolpersteine und können sich auf Inhalt und Fristen konzentrieren.
Starten Sie früh mit Portal-Zugang und Testrechnung – dann läuft die erste echte Behördenrechnung deutlich entspannter. Bei Fragen zu Format, Pflicht und Software hilft der Blick auf E-Rechnung, XRechnung und unsere FAQ.